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Wolfram J. Starczewski

"Mich interessiert, woher wir kommen und wohin wir wollen."

Regisseur Wolfram J. Starczewski spielt am Stadttheater Gießen in Kleists Schauspiel „Prinz von Homburg“ mit der richtigen Wahrnehmung:Traum oder Wirklichkeit? Nichts ist so, wie es scheint.

(...) Das Scheitern an der Realität, die vergebliche Suche des Verstandes nach der Wahrheit ließ Kleist zusehends verzweifeln. Im Angesicht des Todes kann auch sein Held, der Prinz von Homburg, Wahrheit und Schein nicht unterscheiden. War alles am Ende nur ein böser Traum? Dies schlägt sich in Wolfram J. Starczewskis Inszenierung nieder.

Ausstatter Lukas Noll entwarf eine an Stahlseilen hängende Bühne, die in ihren einzelnen Elementen beweglich ist. Der schwankende Boden ist für Regisseur Starczewski auch Symbol für den Wahn, das Irreale, in dem der Prinz gefangen ist. Der Zuschauer wird in Starczewskis Inszenierung von dem spielfreudigen Ensemble von Beginn an in ein ausdrucksstarkes, spannendes Verwirrspiel hineingezogen, bei dem auch die Nebencharaktere ein undurchsichtiges Spiel spielen. Dazu trägt auch die Funktion von Homburgs engem Freund Oberst Truchß bei, der scheinbar auch als Alter Ego des Prinzen fungiert. Bis zum Ende bleibt offen, ob es sich um einen Traum handelt. (...)

Starczewski macht aus Kleists Spätwerk ein modernes zweistündiges Stück, das den Zuschauer aufgeklärt in die Nacht entlässt.

Timo Scheibe, 21.09.2011, Oberhessische Presse Marburg

(…) Regisseur Wolfram J. Starczewski setzt in seiner Inszenierung vor allem auf Sprache und Symbolik, was den weltanschaulichen Pessimismus des 1809/10 entstandenen Theaterstücks sehr schön herausstellt.

Rund zwei Stunden lang verlangt Starczewski von seinem Publikum vor allem eins: zuhören. Wer die Aktion sucht, der ist in dieser Inszenierung fehl am Platze. Kampfgetümmel, Duelle oder Kriegsgeschrei? Das alles gibt es nicht zu sehen. Starczewski zeigt eine Welt, die völlig leer ist. Die Bühne ist nicht mehr als eine große Plattform, die zum Auftakt an Stahlseilen herabgelassen wird und permanent wankt. (…)

Starczewskis Konzept, Kleist pur auf die Bühne zu bringen, geht auf. Werkgetreu visualisiert er den Grundkonflikt des Dramas und des Dichters: den Gegensatz zwischen den Anforderungen der Gesellschaft und den Wünschen des Einzelnen. Das Scheitern des Individuums, dem von der Gemeinschaft der Boden unter den Füßen weggezogen wird - gelungen durch die schwankende Bühne veranschaulicht - ist die pessimistische Philosophie und Grundkonstante des Dichters und der Inszenierung.

Stephan Scholz, Wetzlarer Neue Zeitung, 19.09.2011

Wolfram J. Starczewski, der in Gießen bereits unter anderem „Baumeister Solness“ und „Endstation Sehnsucht“ in reduzierter Bühnensprache inszeniert hat, legt auch mit Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ keine Ausstattungsorgie vor. Seine Inszenierung der Geschichte dieses „sinnverwirrten Träumers“ setzt ganz auf das gesprochene Wort - und er tut gut daran.

Starczewski verzichtet fast komplett auf Requisiten, konzentriert sich völlig auf die Schauspieler und ihre Sprache im fast nackten Raum. Dabei lässt Starczewski seine Schauspieler auf einer teils schwebenden Fläche agieren. Was ist fest, was schwankend, was Traum, was Wirklichkeit? Hier bewegt sich alles auf schwankendem Grund. Dabei ist die von Lukas Noll entworfene Bühne mit ihrer an Seilen hängenden Fläche ein besonders gelungener Hingucker. (…) Lukas Goldbach interpretiert diesen Prinzen, der kein funktionierender Militär ist und sich nicht verbiegen lassen will, mit beklemmender Inbrunst. Sein Prinz ist kein sympathischer Held, sondern ein an den Umständen reifender Heißsporn mit durchaus menschlichen Schwächen. Er ist ein von schreckhaften Zuckungen gebeutelter Träumer in Uniform, aber auch ein junger Mann, der gegen väterliche Überlegenheit aufbegehrt und das eigentlich Unmögliche will. Größenwahn, Selbstzweifel, Rebellentum und Todesfurcht: Dieser Prinz hat von allem im Übermaß. (...)

Karola Schepp, 19.09. 2011, Gießener Allgemeine Zeitung