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Wolfram J. Starczewski

"Mich interessiert, woher wir kommen und wohin wir wollen."

Tennessee Williams "Endstation Sehnsucht" in Gießen

(…) Es gab kräftigen Applaus für die erstklassige Inszenierung von Wolfram J. Starczewski, der die große Tragödie der zerbrochenen Liebe mit feinem Gefühl für psychische Untiefen auf die Bühne gebracht hat. Das gelang so gut, dass es den Zuschauer bisweilen fröstelte, und das ist bei einem anspruchsvollen Psychodrama wie "Endstation Sehnsucht" eine gewaltige Leistung.

Denn Williams interessiert vor allem das Innenleben seiner Protagonisten, wenn er fragt: Was passiert, wenn die große Liebe zerbricht?

Des Dramatikers Antwort ist schonungslos: Er nutzt seine Hauptfigur Blanche DuBois, um zu zeigen, dass Menschen, die grundsätzlich liebesbedürftig sind, am Verlust der Liebe zugrunde gehen.

Man muss sein Fach als Charakterdarsteller beherrschen, um in diesem Stück zu glänzen. In Starczewskis Inszenierung, die auch dank Lukas Nolls abstrakter Kulisse zur zeitlosen Gesellschaftskritik wird, glänzten alle. Allen voran Carolin Weber, die die verletzte Seele der Hauptfigur meisterlich auf die Bühne brachte und als flatterhafte, gebrochene Blanche ihre Kollegen an die Wand spielte.

(…) Und am Ende ist klar: Die Liebe - verstanden als aufrichtiges Einlassen auf das Gegenüber - ist aus der Welt zugunsten von Egoismus, Macht, Gewalt und übersteigerter Sexualität verdrängt worden. Das ist bitterste Gesellschaftskritik, die - das Stück wurde 1947 in New York uraufgeführt - nichts an Aktualität eingebüßt hat und vom Team des Stadttheaters absolut brillant und mit psychologisch präzise auf die Bühne gebracht wurde.

Stephan Scholz, 07.03.2011, Wetzlarer Neue Zeitung

Endstation Sehnsucht“ im Stadttheater in abstrakten, zeitlosen Raum verlegt - Großer Applaus

Regisseur Wolfram J. Starczewski zertrümmert Sehgewohnheiten. Wer sich seine Inszenierung von „Endstation Sehnsucht“ im Gießener Stadttheater anschaut, sollte Milieuschilderungen (...) rasch vergessen:

Starczewski lässt in einer abstrakten, zeitlosen, ja kühlen Umgebung spielen, in der einzig und allein die Darsteller und die Sprache des Bühnendichters im Mittelpunkt stehen. Und siehe da, Starczewskis Rechnung geht auf: Das Drama von den unerfüllten Sehnsüchten und Begierden entwickelt sich in seinen Händen zu einem spannenden, überzeitlichen Psychogramm zerbrechlich-neurotischer Figuren. Und dank der hervorragenden Schauspieler und eines wiederum sehr prägnanten Bühnenbildes von Lukas Noll ist ein intensiver Theaterabend entstanden, der bei der Premiere am Samstag mit überaus freundlichem, lang anhaltendem Applaus gefeiert wurde.

(…) Carolin Weber spielt die alkoholsüchtige Neurotikerin, die zunächst fahrig, überreizt und unsicher auf die neue Umgebung reagiert, dann aber sogleich beginnt, mit jedermann ihre Psychospielchen zu machen. So wie sie in immer neuen Kostümierungen auftritt, fächert auch Carolin Weber gekonnt stets neue Facetten dieser verstörten Seele auf - eine bannende Darstellung voller Intensität. (...)

Thomas Schmitz-Albohn, 07.03.2011, Gießener Anzeiger

Rücken an Rücken, die Handflächen aneinander, ein heimlicher Blick, ein unbeherrschter Kuss, unter der Regie von Wolfram J. Starczewski wird Mozarts „Hochzeit des Figaro“ ein hocherotisches Verwirrspiel im zeitlosen Raum. Starczewski blendet die bisherige Rezeptionsgeschichte aus, lässt Aspekte gesellschaftlicher Höher- und Unterordnung weg und richtet den Fokus allein auf das Wesen der Liebe. Mozart hätte seine Freude an dieser Inszenierung am Stadttheater in Landshut.

Aus den drei Flügeltüren stürzen die Darsteller traumatisiert herein, fallen zu Boden und wachen auf wie in einem Traum. Ein wunderbar kurzweiliges Spiel um die Liebe beginnt, in dem die Frauen Oberwasser bekommen. Unter dem kühlen Blau der Kleider lodern entfachte Herzen und schlagen in blaugrüner Sommernacht, die hinter weißen Nelkentöpfen durch Glaswände flutet, Kapriolen (Bühne und Kostüme: Claudia Glaser).

Liebestrunken wie Cherubino (Sabine Noack), der von seinen erotischen Gefühlen gegenüber Frauen schlichtweg überfordert ist, oszillieren Contessa (Frédérique Friess) und Susanna (Illonka Vöckel) zwischen dem Grafen (Kyung Chun Kim) und Cherubino bzw. Figaro (Peter Tilch) und dem Grafen. Treue rückt in den Hintergrund. Prickelnde Erotik heißt die Losung, von Amor willkürlich entfacht, in einem ausgesprochen koketten Fandango mit Flamenco-Attitüde tänzerisch effektvoll umgesetzt (Choreographie: Petra Österreicher) und an den Bruchstellen der Rezitative schauspielerisch frech ironisch interpretiert. Der Erotisierung des Augenblicks können sich Contessa und Susanna genauso wenig wie Cherubino entziehen. Zwischen selbstversunkener Verliebtheit und Situationskomik entsteht ein hinreißend poetisches Spiel um die Flüchtigkeit erotischer Verliebtheit und im Moment des geordneten Happyends dreier Paare beginnt man die Erotik zu vermissen und zu ahnen, dass der Zustand der Ordnung nicht lange wird anhalten können.

Basil H. E. Coleman bringt das Regiekonzept musikalisch kraftvoll und nuanciert zum Schwingen, entdeckt unter der erotischen Leichtigkeit der Melodien Mozarts Tiefgründigkeit begehrlicher Sehnsucht. Colemans Konzept, den „Figaro“ ohne Striche zu spielen, also mit den ausdrucksstarken Arien Marcellinas und Basilios, überzeugt. Beide Figuren bekommen so dramaturgisch wesentlich mehr Gewichtung.

Alle Rollen sind optimal besetzt. Der Chor fügt sich nahtlos ein. Die Sänger intonieren in Bestform, unangestrengt, gefühlvoll, mit vokaler Aura und facettenreicher schauspielerischer Präsenz. Sie finden in den Duetten und Tutti optimal zusammen und sorgen auch in den kleineren Rollen für sängerische Höhepunkte: Bartolo (Evert Sooster), Marcellina (Katrin Lehismets), Basilio (Albertus Engelbrecht), Barbarina (Theresa Krügl) und Antonio (Oscar Imhoff).

Szenenapplaus ohne Ende und viele Bravos für einen neu entdeckten „Figaro“.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 10.3.10

Jedes Happyend ist eine Lüge. „Und alles war gut“ lässt sich nur sagen, weil in dieser Sekunde der Vorhang fällt. Rechtzeitig vor der nächsten Intrige, dem nächsten Streit, dem nächsten Seitensprung. Wenn sich auch noch so viele Paare kriegen oder wiederfinden: Nichts ist gut, schon gar nicht für immer. Falls es ein „für immer“ überhaupt gibt, so ist es errungen, Tag für Tag, Minute für Minute. So unromantisch, so menschlich und doch so knisternd geht es zu in der „Hochzeit des Figaro“ am Landestheater Niederbayern. Das Passauer Publikum hat am Samstagabend eine feine Regiearbeit und vorzüglich gelungene Inszenierung erlebt.

(...) Die Geschichte vom Diener Figaro, der mit vielen Finessen und viel Glück die Zofe Susanna bekommt, obwohl auch sein Herr sie begehrt, ist reinste Komödie. Dass sie am Landestheater auch zum zwischenmenschlichen Drama wird, ist Regisseur Wolfram J. Starczewski zu verdanken. In einer fast requisitenfreien Landhaus-Optik (...) lässt er das kollektive Begehren, Erobern, Unterwerfen, Aufspielen und Ausspielen ablaufen. Ein jeder ist halt nur Mensch, wer wollte da den ersten Stein werfen? - so lautet die Anthropologie dieses Regieansatzes. Tatsächlich bleibt hier jeder auf seine Art sympathisch, obwohl jeder ein Schuft ist, dessen Augen nach links wahre Liebe schmachten und nach rechts das nächste Techtelmechtel anbahnen. Die psychologische Konstellation ändert sich minütlich - auch dank des schauspielerischen Engagements der Sänger. Es kribbelt im Parkett, wenn Gräfin und Susanne geschwisterlich Cherubinos Hemd öffnen . . .

(...) Am Ende wird Amor verjagt, damit er nicht noch mehr Unheil stiftet. Lieber klammern sich die Paare aneinander, auf der Suche nach ein bisschen Halt in der guten alten Ehe. Jedes von ihnen weiß genau, was von diesem Happyend zu halten ist.

Raimund Maisenberger, Passauer Neue Presse, 01.03.2010