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Großartige Sänger und eine gelungene Inszenierung machen "Die Hochzeit des Figaro" zum bejubelten Ereignis

"Mich interessiert, woher wir kommen und wohin wir wollen."

Großartige Sänger und eine gelungene Inszenierung machen "Die Hochzeit des Figaro" zum bejubelten Ereignis

Jedes Happyend ist eine Lüge. „Und alles war gut“ lässt sich nur sagen, weil in dieser Sekunde der Vorhang fällt. Rechtzeitig vor der nächsten Intrige, dem nächsten Streit, dem nächsten Seitensprung. Wenn sich auch noch so viele Paare kriegen oder wiederfinden: Nichts ist gut, schon gar nicht für immer. Falls es ein „für immer“ überhaupt gibt, so ist es errungen, Tag für Tag, Minute für Minute. So unromantisch, so menschlich und doch so knisternd geht es zu in der „Hochzeit des Figaro“ am Landestheater Niederbayern. Das Passauer Publikum hat am Samstagabend eine feine Regiearbeit und vorzüglich gelungene Inszenierung erlebt.

(...) Die Geschichte vom Diener Figaro, der mit vielen Finessen und viel Glück die Zofe Susanna bekommt, obwohl auch sein Herr sie begehrt, ist reinste Komödie. Dass sie am Landestheater auch zum zwischenmenschlichen Drama wird, ist Regisseur Wolfram J. Starczewski zu verdanken. In einer fast requisitenfreien Landhaus-Optik (...) lässt er das kollektive Begehren, Erobern, Unterwerfen, Aufspielen und Ausspielen ablaufen. Ein jeder ist halt nur Mensch, wer wollte da den ersten Stein werfen? - so lautet die Anthropologie dieses Regieansatzes. Tatsächlich bleibt hier jeder auf seine Art sympathisch, obwohl jeder ein Schuft ist, dessen Augen nach links wahre Liebe schmachten und nach rechts das nächste Techtelmechtel anbahnen. Die psychologische Konstellation ändert sich minütlich - auch dank des schauspielerischen Engagements der Sänger. Es kribbelt im Parkett, wenn Gräfin und Susanne geschwisterlich Cherubinos Hemd öffnen . . .

(...) Am Ende wird Amor verjagt, damit er nicht noch mehr Unheil stiftet. Lieber klammern sich die Paare aneinander, auf der Suche nach ein bisschen Halt in der guten alten Ehe. Jedes von ihnen weiß genau, was von diesem Happyend zu halten ist.

Raimund Maisenberger, Passauer Neue Presse, 01.03.2010