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Wolfram J. Starczewski

"Mich interessiert, woher wir kommen und wohin wir wollen."

Diesmal geht das Stadttheater zur Spielzeiteröffnung des Musiktheaters ganz auf Nummer sicher. Denn anders als im letzten Jahr, als „Eugen Onegin“ das Premierenpublikum extrem polarisierte, stand am Samstag eine grundsolide „La Traviata“ auf dem Spielplan.

Große Stimmen, feine Musik und schöne Bilder: Am Ende gab es kräftigen Applaus für Regisseur Wolfram J. Starczewskis Idee von Giuseppe Verdis Melodram unter der musikalischen Leitung von Michael Hofstetter. Opernfreunden bietet sie Musikgenuss auf hohem Niveau. Und genau das ist der Schlüssel zu dieser bodenständigen Inszenierung.

Denn Starczewski rückt das musikalische Personal in den Fokus. Um technische Spielereien wie Videos macht der Regisseur einen Bogen, ebenso wie um jedwede Form von Historismus.

Wer hier nach Attributen etwa des 19. Jahrhunderts sucht, wird nicht fündig. Im Gegenteil: Die Bühnenoptik, für die Lukas Noll verantwortlich zeichnet, kommt zeitlos daher.

In Sachen Kostüme setzt Noll auf gehobene Abend- und Alltagskleidung. Doch das Meisterstück des Chefausstatters des Stadttheaters ist wieder die Bühne: Angelegt als eine Art Guckkasten fokussiert Noll kaum auf Gegenständlichkeit, sondern auf die Strukturierung des Raums mit Elementen wie Spiegeln, Podesten oder Trennwänden.

Der Effekt ist beachtlich, denn diese Strukturen konturieren die Handlung. Kurz, auf konzeptioneller und visueller Ebene bietet Starczewski einen Verdi ganz nah dran, wodurch dem Bühnenpersonal immense Bedeutung zukommt.

Das Ensemble erfüllt die hohen Erwartungen ausnahmslos mit Bravour, allen voran Dorothea Maria Marx als Violetta Valéry, die am Ende vom Premierenpublikum mit Bravo-Rufen gefeiert wurde. Kein Wunder, denn das Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover bezaubert mit einem glockenhellen und glasklar artikulierten Sopran, der berührt.

Auch Giuseppe Talamo als Alfredo Germont – und damit Geliebter der „vom Weg abgekommenen“ Violetta – und Alexander Hajek als Vater Giorgio Germont begeistern mit ihren Stimmen und erhielten Extraapplaus.

Großen Eindruck macht daneben wieder einmal der Chor unter der Leitung von Jan Hoffmann, der mit beachtlicher artikulatorischer Präzision ein ums andere Mal Gänsehaut über Zuschauerrücken jagt und viel Platz auf der Bühne bekommt.

Und auch instrumental bleibt kein Wunsch offen, denn am Pult steht mit Hofstetter ein erfahrender Verdi-Fachmann, unter dessen Leitung das Philharmonische Orchester mit großer Klarheit und packender Dynamik zu Werke geht.

Das Fazit: Starczewski, Hofstetter und die Ihren bieten dem Publikum Musikgenuss vom Feinsten in einer beeindruckenden Kulisse.

 

Stephan Scholz, 12.09.2016, Wetzlarer Neue Zeitung

Welch ein Triumph für das Gießener Musiktheater, welch eine Glanzleistung aller Beteiligten an Giuseppe Verdis Erfolgsoper "La Traviata"! Alle - vom Dirigenten Michael Hofstetter über die Musiker und Solisten bis zu den Chorsängern - haben zur Eröffnung der neuen Spielzeit gezeigt, wie packend, wie bewegend Oper sein muss, um das Publikum mitzureißen. Sie alle erleben und steigern die Musik, durchleiden die Szenen und Konflikte. Die Inszenierung von Wolfram J. Starczewski, die am Samstagabend vor vollem Haus Premiere feierte, besticht durch Gefühlstiefe, größte Intensität und Unmittelbarkeit des Erlebens. Im Mittelpunkt der zweieinhalbstündigen Aufführung steht Dorothea Maria Marx, die im minutenlang wogenden Schlussapplaus zu recht den stärksten Beifall einheimsen durfte. Stimmlich nuanciert, ausgefeilt und mit wunderschön hingehauchten Tönen lässt die Sopranistin in jedem Augenblick ihrer innigen Darstellung die Wandlung der schillernden Halbweltdame Violetta zur bedingungslos Liebenden glaubwürdig erscheinen.

Schon in der berühmten Ouvertüre klingen die beiden Hauptmotive der Oper an: Liebe und Tod. Und diese beiden großen ewigen Themen bestimmen auch als Grundakkorde der Inszenierung, die das Seelenleben ihrer Figuren differenziert ausleuchtet. Gespielt wird in einem großen weißen Bühnenrahmen (Bühne und Kostüme: Lukas Noll), der wie ein Brennglas, wie ein Katalysator wirkt: Hier sind die seelischen Konflikte noch einmal verstärkt hervorgehoben, hier bündeln sich die Gefühl- und Handlungsstränge, und hier nimmt das spannungsvolle Psychodrama zwischen den drei Hauptpersonen unerbittlich Fahrt auf.

Das ganze gesellschaftliche Drumherum spielt sich dahinter auf einer niedrigeren Ebene ab. Da tummelt sich die bunte Festgesellschaft in Violettas Haus, und etliche runde Spiegel an der Decke reflektieren das ausgelassene, fröhliche Treiben. Sehr raffiniert! Doch vorne im weißen Rahmen geschieht das, was wirklich wichtig ist: Noch während der Ouvertüre sieht man, wie Baron Douphol (Matthias Ludwig) aus Violettas Schlafzimmer kommt und sich die Hose zuknöpft. Später, als der etwas unbeholfene Alfredo (Giuseppe Talamo) ihr inmitten der lauten Festgesellschaft sein selbstgeschriebenes Liebeslied vorsingt, muss er es vor lauter Aufregung vom Blatt ablesen. Wieder etwas später scheinen die Liebenden in der ländlichen Idylle ihr Glück gefunden zu haben: Alfredo macht das Fahrrad für den nächsten gemeinsamen Ausflug fertig, Violetta trägt Gummistiefel und Strickjacke, und im Hintergrund blühen Sonnenblumen.

Wie sehr es der Regisseur, der eigentlich vom Schauspiel kommt, versteht, den emotionalen Gehalt der Musik in einprägsame, ausdrucksstarke Bilder zu übersetzen, zeigt sich vor allem zum Schluss hin, wenn nur noch in einem fast nackten Raum gespielt wird. Der Arzt (Aleksey Ivanov) ist bei der sterbenden Violetta. Sie versucht auszubrechen, doch er hält sie an einem schwarzen, zusammengeknoteten Strang zurück. Keine Frage, dies ist der Tod, der die Sterbende bereits in seinen Fängen hat und dazu Schampus aus der Flasche trinkt.

Gleich darauf, wenn die Klänge des Karnevals hinauf ins Zimmer dringen, sieht man durch den Gazevorhang im Hintergrund, wie zahllose Hände der unheimlichen Fastnachtsfiguren nach Violetta greifen.

Und dann dreht der Tod die Flasche um: leer, kein Tropfen mehr. Die Lebenskraft ist aufgebraucht, Violetta stirbt.

Das Seelendrama findet aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Orchestergraben statt. Das Philharmonische Orchester Gießen und Generalmusikdirektor Michael Hofstetter, der sensibel, sängerfreundlich und zugleich zupackend dirigiert, schlagen lebendige Funken aus der Partitur, die neben tiefer Dramatik und lyrischer Wärme herrliche musikalische Einfälle in Hülle und Fülle enthält. Vor allem aber kommt die typisch Verdische Mischung aus Sentiment, Schmelz und Schwung voll zur Geltung.

Wie eingangs erwähnt, ist Dorothea Maria Marx, die in dieser Rolle ihr Debüt in Gießen gibt, eine faszinierende Violetta. Ihr klangschöner Sopran verströmt Anmut und Natürlichkeit, und die technischen Anforderungen der Partie bewältigt sie mit scheinbar müheloser Leichtigkeit. Fließende Koloraturen, lyrische Zartheit, hochdramatische Ausbrüche - ihre ganz aus dem Gefühl heraus gestaltete Interpretation lässt es an nichts fehlen.

An ihrer Seite gibt Giuseppe Talamo mit seinem weit ausstrahlenden Tenor und dem für Verdi unverzichtbaren Schmelz den etwas ungestümen Alfredo. Er verkörpert einen in der Glamourwelt recht ungeschickten, reichlich naiven jungen Mann, aber im Gesang des Italieners lodert die Leidenschaft des Liebhabers.

Eine starke Vorstellung gibt der Kanadier Alexander Hajek, der als Vater Germont zwischen Moral, Familienehre und Gefühlen hin- und hergerissen ist und der "vom Weg Abgekommenen" zum tieferen Verständnis seiner Handlungsweise Familienfotos zeigt. So schlägt sein ausdrucksvoller, geschmeidiger Bariton durchaus sanfte Töne an - eindringlich und berührend.

Marie Seidler, die neue Mezzosopranistin am Haus, zeigt als Flora, dass sie nicht nur eine schöne Stimme hat, sondern auch mit ihrem Äußeren die Männer becircen kann.

In weiteren Rollen: Michaela Wehrum (Annina), Clemens Kerschbaumer (Gastone) und Marquis d'Obigny (Tomi Wendt). Und der vom Jan Hoffmann einstudierte Chor gibt wieder alles. Bravo!

Thomas Schmitz-Albohn, 12.09.2016, Gießener Anzeiger

 

... in Szene gesetzt von Wolfram J. Starczewski und grandios gespielt von Mirjam Sommer, Anne-Elise Minetti und Beatrice Boca... mit einer gehörigen Portion Nachdenklichkeit wegen dieses Terrorwahnsinns, und doch mit viel Vergnügen an dem Tatendrang des spektakulären Frauentrios.

Ursula Hahn-Grimm, Gießener Anzeiger

 

Beatrice Boca, Anne-Elise Minetti und Mirjam Sommer schlüpfen im rasantem Wechsel in die überspitzt skizzierten Frauentypen, tauschen permanent Kostüme und Masken. Als »Trio infernale« kämpfen sie gegen die Einsamkeit ihrer Figuren an und demonstrieren die Ausweglosigkeit guter Absichten in einer Eventgesellschaft, in der es keine tiefe Freundschaft gibt, nur den inszenierten Spaß. Alles wird instrumentalisiert und konsumiert und gegen den bitteren Geschmack im Mund verteilen die drei Sahnebonbons unter den Zuschauern. Ein echtes politisches Bewusstsein haben sie nicht.
Starczewski setzt ganz auf die Kraft des Textes. Die Grenzen zwischen Schauspiel und Performance bleiben fließend. Immer wieder stehen Mia, Lore und Bettie einfach da und erzählen von ihren Geschichten und Absichten: derb, obszön, emotionsgesteuert.

Karola Schepp, Gießener Allgemeine

... In wuchtigen, holzschnittartigen Szenen wird der Zuschauer zum Zeugen eines leidenschaftlichen, unerbittlich geführten Machtkampfes zwischen zwei Männern und einer Frau – mit tödlichem Ende. Regisseur Wolfram J. Starcewski und drei vorzügliche Darsteller machen daraus einen eindringlichen, unter die Haut gehenden Theaterabend, der das Publikum gefangen nimmt.

Bei der Premiere am Donnerstagabend gab es am Ende lang anhaltenden Applaus für die herausragenden Leistungen...

… ein vor innerer Spannung knisterndes Kammerspiel ...

... In geschickter Personenführung, die das Auf und Ab des mal subtil und versteckt, mal offen und gewalttätig geführten Kampfes unterstreicht, zeigt die Inszenierung das Wüten archaischer Urkräfte zwischen Mann und Weib, wobei Starzcewski großen Wert auf die psychologische Feinzeichnung der Figuren legt...

Von Thomas Schmitz-Albohn, 02.11.2014, Gießener Anzeiger